Tango als elegante Form des Spazierens. Man kennt das. Tangolehrer Mathis Reichel mit Tanzpartnerin Adila Pereira

Tanzen kann ich ungefähr gleich gut wie Französisch: Betrunken denkt man es ginge, nüchtern betrachtet aber ist es grausig. Am besten tanze ich noch beim ‘So tun als ob’. Je schlechter die Musik, je schlechter der Club, desto grösser die Nonchalance, desto besser mein Tanzen.

Einige Leserinnen und Leser werden dieses Phänomen bestimmt kennen. Wenn man aber am Sonntagabend gegen sechs Uhr eine Tangolektion bei einem echten Tangolehrer in einem echten Tangostudio aufzusuchen im Begriffe ist (in tanzfreudiger Begleitung notabene), da ist der Nonchalance-Faktor – wie sich ohne weiter Anstrengung denken lässt – so niedrig und flach, dass sich ein Vergleich mit dem seichten Wattenmeer geradezu aufdrängt. Dass wir zuerst zu einer falschen Adresse gefahren sind, und nicht zum Tango Salón Basel in der Güterstrasse 82, damit also bereits verspätet waren, hat auch nicht geholfen. Aber was tut’s, man muss ja auch mal ein bisschen selbstbewusst und zuversichtlich auftreten können. Also gingen wir rein und taten, Strassenkleider bekleidet, unser Bestes.

Und: so ganz schlecht haben wir uns nicht geschlagen. Dabei geholfen hat bestimmt, dass uns nicht acht Tanzpaare in Gala-Garderobe und Rosen in den Mündern erwarten haben. Nein, es waren lediglich drei weitere Pärchen da, ebenfalls locker gekleidet, alles frisch Beginnende und gar noch zur Schule gehend. Auch hat uns kein stockbewehrter und emotional total überdrehter Tangofanatiker mit abschätzigen spanischen Bemerkungen begrüsst, wie in meinen Tagtraum-Irrfahrten im Vorfeld.

Stattdessen begrüsste uns Mathis Reichel, unser überaus charmanter Tangolehrer für diese Tango-Schnupperstunde, die jeden Sonntagabend für Interessierte kostenlos durchgeführt wird. Entschliesst man sich darauf hin für einen der vielen Tangokurse, bezahlen Schüler, Lehrlinge und Studentinnen reduzierte Preise.

In der folgenden Stunde lernten wir einige Grundelemente des klassischen Tangos. Vor allem aber lernten wir etwas über Tango, dass jedem und jeder allfällige Ängste und Hemmungen vor dieser – zugegeben – doch recht schönen und graziösen Art zu Tanzen nehmen sollte: Tango tanzen sollte man ebenso schlicht, wie man spazieren geht. Oder anders: Tango als elegante Art des gemeinsamen Spazierens zu Musik. Kein unnötiges Rumgewackel, kein Hüftenschwingen, keine überaffektierten Gebärden.

Also, ihr tanzfreudigen Menschen da draussen. Nehmt eure tanzmuffeligen Partner oder Partnerinnen, verknurrt sie zu einer gratis Schnupperlektion Tango im Tango Salón Basel und – wer weiss? – vielleicht findet ihr ja eine neue gemeinsame Leidenschaft. Perdón: Una Pasión.

P.S.: Für alle STUDIERENDEN AUS BASEL: Der Tango Salón Basel lässt sich auch ein Semester lang gratis im Rahmen des Unisport Angebotes besuchen…

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