Passivität aktiviert

Yoga. Schon wieder der ferne Osten. Schon wieder eine ganze Philosophie. Schon wieder vielfältige Zusammenhänge zwischen Körper, Geist und Energie.

Und doch schon wieder profitiert. Ohne euch nun einen Einblick in Wesen und Wirken von Yoga zu geben – dafür gibt es Probelektionen für nur 20 Fr. bei der Yogaschule von Markus Erb und Aniwa Weber Erb – will ich schnurstracks zu einem kleinen Erfahrungsbericht weiter gehen:

Aktiv-Wellness Hatha Yoga Studio

In der anfänglichen Entspannungs- und Einstimmungsphase glaubte ich mich bereits tief eingetaucht in die Welt des Yoga. Zu indischer Meditationsmusik lag ich einfach nur da, zehn oder vielleicht fünfzehn Minuten. Arme und Beine hatte ich frei nach Da Vinci in einem sich sehr stimmig anfühlenden Winkel von mir gestreckt. Die Handflächen nach oben, weil ich glaubte, mich so den Energien des Universums empfänglicher zu zeigen. Mein Schnaufen unterwarf ich einer diktatorischen Regelmässigkeit. Meinen inneren Blick richtete ich auf den Punkt zwischen meinen Augenbrauen. Ich wurde sanft umspielt vom Wind, der durch die offenen Fenster in den Raum strömte. Die Deckenventilatoren verstärkten diesen angenehmen Effekt, verbreiteten darüber hinaus ein gleichmässiges Surren. Dies vermochte das Rauschen eines heiligen indischen Flusses wohl nicht zu ersetzen, tat aber in meiner kleinen Yogawelt den gleichen Zweck. So genoss ich meine ersten Yogaminuten beinahe in Glückseeligkeit.

Könnte aber auch daran liegen, dass ich einfach hundemüde war. Irgendwann waren die Ventilatoren aus, die Fenster geschlossen, die Musik weg. Jetzt erst fing die eigentliche Lektion an. Das bewusste Atmen vom Hals durch die Nase, darin lag die erste wesentliche Aufgabe. Kein Problem für mich, dachte ich, hatte ich doch eben schon so schön geatmet. Doch siehe da, das Atmen verlangte plötzlich meine volle Konzentration. Aber wie entspannen jetzt noch? Ach ja, der innere Blick muss ausgerichtet werden, und die Zunge nach oben gerollt. So. Jetzt hat das seine Richtigkeit. Und wie war jetzt das Atmen? Mist, aus dem Rhythmus gefallen, und – huch – sogar durch den Mund geatmet. Nein so was. Und so weiter.

Um eine lange Geschichte kurz zu fassen: Bei allen folgenden Übungen schaffte ich es nie so recht, mich wirklich auf meine Innenwelt zu konzentrieren und zu einer inneren Balance zu gelangen. Zu sehr war ich darauf bedacht, die Anweisungen umzusetzen und die Körperhaltungen richtig einzunehmen, dabei das kontrollierte Atmen nicht zu vergessen und den inneren Blick auszurichten. Zunehmend trauerte ich der anfänglichen Entspannungsphase nach.

Nach der Stunde hatte ich Gelegenheit einer langjährigen Yogaschülerin die Frage zu stellen, die mich bereits im Vorfeld interessiert hat: Warum löst man sich ein Abo und kommt Woche für Woche zum Yoga, wenn man doch bereits so viele Übungen kennt oder sich auch einfach ein Yoga-Buch kaufen könnte. Die eine Antwort hätte mir schon vor dem Kurs bei Aniwa Weber eingeleuchtet: Man braucht das feste Zeitfenster und den festen Rahmen, weil man es sonst zuhause doch nicht oder zumindest nicht richtig machen würde. Die andere Antwort leuchtete mir nun ebenfalls sehr ein. Sie sagte ungefähr und sinngemäss dies:
‘Weisst du, am Anfang konnte ich mich überhaupt nicht konzentrieren. Man hört draussen die Autos, hört das Schnaufen von der Nachbarin, es juckt in der Nase. Als wirklichen Ausgleich zum stressigen Leben erfuhr ich  Yoga erst, als ich in der Lage war, mich so sehr auf mein Inneres zu konzentrieren, dass alles Überflüssige, von aussen Kommende an mir abprallte. Doch dies lernt man nicht einfach so und kann es auch nicht in einem Buch nachlesen.’

Ich habe festgestellt: Yoga ist mehr als nur das Durchstrecken des Rückens zu regelmässiger Atmung. Es ist ein hochkomplexes Zusammenspiel zwischen dem Körper und der Konzentrationskraft. Man muss dies lernen. Für das Lernen gibt es Schulen, für das Lernen gibt es Lehrerinnen und Lehrer.

Dazu wäre noch zu sagen, dass die Kurse und die Abfolge der Übungen bei professionellen Yogalehrerinnen wie Aniwa immer sorgfältig aufeinander abgestimmt sind, um einen optimalen Ausgleich zwischen den aktiven und den passiven Kräften zu erreichen.

Optimal abgestimmt sind im Übrigen auch die Preise auf die Welt der Studierenden. Ermässigungen gibt es sowohl auf Einzellektionen wie auch auf Halbjahres- und Jahresabonnemente.

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